Bildungspolitisches Forum der CDU-Kreisverbände Rottweil und Tuttlingen „Für die stetige Weiterentwicklung des Aufstiegs orientierten gegliederten Schulsystems“
„Auf den Anfang kommt es an!“ Mit dieser genau so kurzen wie prägnanten Formel untermauerte Staatssekretär Georg Wacker beim „Bildungsgipfel“ der CDU-Kreisverbände Rottweil und Tuttlingen in der Pfarrscheuer in Frittlingen seine Thesen zur Bildungspolitik der Landesregierung.
Weil nämlich die Bildung im umfassenden Sinn nicht mit dem Eintritt in die Schule beginnt, sondern viel früher, mit der Geburt, so seine Feststellung: „Alle Kinder haben Anspruch auf eine bestmögliche individuelle Förderung, einen moralischen Anspruch auf gleiche Startchancen.“
Um dies zu gewährleisten und um auf die Herausforderungen durch die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen zu reagieren, habe die Landesregierung die Qualitätsoffensive Bildung gestartet. Mit einer großen Zahl von Maßnahmen, die darauf hinzielen, die gesamt- persönliche Entwicklung der Kinder zu fördern und einen gelingenden Übergang ins Erwerbsleben zu schaffen. Maßnahmen zum Beispiel durch den jetzt beschlossenen Klassenteiler in Grundschulen von 31 auf 28, die Weiterentwicklung des aufstiegsorientierten gegliederten Schulwens und mit der Einführung der neuen Werkrealschule einer noch stärkeren Verzahnung von Theorie und Praxis. Der Staatssekretär, mit Blick auf die aktuelle bundespolitische Diskussion: „An der Bildung wird nicht gespart.“
So wie bei der gemeinsamen Begrüßung die beiden Landtagsabgeordneten Guido Wolf und Stefan Teufel auf die Priorität der Bildung im Landeshaushalt hingewiesen hatten: „Mit einem Volumen von 13 Milliarden Euro und damit 37 Prozent im Landeshaushalt hat die Bildungspolitik neben der inneren Sicherheit bei uns den
zentralen Stellenwert.“
Bildung von Anfang an, damit der Übergang ins Berufsleben gelingt: Im
„Kurzinterview“ mit Guido Wolf beschrieben Jürgen Schnell und Marion Koppehehle, Betriebsleiter und Ausbildungsleiterin der Firma Hettich Zentrifugen ihre Erwartungen an und die Erfahrungen mit den Schulabgängern, die sich um eine Ausbildung bewerben. Aussagen von „Manchmal erwarten wir auch zu viel von ihnen“ bis zu starken Defiziten bereits bei der Bewerbung und fehlender Motivation zeigten nahezu alle möglichen Verhaltensweisen zukünftiger Auszubildenden. Leider nutze nicht
jeder die Chance, wobei andererseits gute Erfahrungen mit Jugendlichen, die vom BFZ in Möhringen gekommen sind, ein differenziertes Bild ergeben.
Grundlagen für die sehr heterogen zusammengesetzte Podiumsdiskussion unter Leitung des Landtagsabgeordneten und bildungspolitischen Sprechers der CDU-Landtagsfraktion, Volker Schebesta, die aus verschiedenen Blickwinkeln die aufgeworfenen Fragen und Anregungen aufgriffen. So forderte Wilhelm Rieber, Rektor der Nell-Breuning-Berufsschule in Rottweil, nicht zu klagen über bestehende Defizite, nicht aus Einzelfällen ein Gesamturteil zu bilden, sondern die richtigen Maßnahmen ergreifen. So zeigt er sich optimistisch hinsichtlich der Werkrealschule:
„Ich bin gespannt und freue mich auf das Ineinandergreifen der beiden Schularten.“
Wie auch der Rektor der Schillerschule Tuttlingen, Rainer Buggle mit seiner bereits 17-jährigen Erfahrung einer Werkrealschule die Praxisnähe lobt und sagte: „Es wird vielleicht manche Reibereien geben, aber ich stehe voll hinter dem Konzept.“
Auf das Vorleben kommt es an – und auf das Vorlesen! Daniela Dreher, Schulleiterin der Grundschule Wittershausen lenkte noch einmal den Blick auf die ersten vier Jahre in der Schule. Die Schule könne nicht alles auffangen, was in der Familie bis zum Schuleintritt versäumt werde, sagte sie. Ihr Appell: alle Beteiligten mitnehmen, was bedeute, dass alle Beteiligten ihrer Verantwortung gerecht werden. Im Übrigen seien Defizite nicht nur bei den häufig im Fokus stehenden Kinder mit
Migrationshintergrund vorhanden, sondern häufig auch bei solchen aus eher bildungsfernen Familien.
Als Mutter von vier Kindern und Elternbeiratsvorsitzende der Karlschule Tuttlingen, stellteBarbara Heni fest, dass die Sprachstandserhebung und Sprachförderung bereits Früchte trage, fügte aber hinzu: „Viele Schüler kommen ohne Frühstück in die Schule, haben auch kein geregeltes Mittagessen.“ Ein Hinweis auf einen verstärkten Ausbau der Ganztagesschule.
Statements, aus denen heraus sich eine sehr lebhafte, konstruktive Diskussion mit den Podiumsteilnehmern, Staatssekretär Georg Wacker und dem „Publikum“ entwickelte. Das genau so breit gemischt war wie die Thematik vielfältig ist: von der Heilpädagogin über den Bürgermeister und Schulleiter bis zur Migrationsbeauftragten der Agentur für Arbeit.
Denn, so formulierte es die CDU-Kreisvorsitzende Dagmar Waizenegger in ihrem Schlusswort, die Kinder sind das Beste und das Wertvollste, was wir haben:
„Deswegen ist es richtig, wenn wir, Politik und Gesellschaft, alles tun, um ihnen ein gelingendes Leben zu ermöglichen.“
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